Landwirtschaft mit weniger Dünger, Wasser und Chemie – Was bedeutet das für die Rohstoffversorgung der Getreideverarbeitung?

Die landwirtschaftliche Produktion steht inmitten großer Veränderungen, die auch die Rohstoffversorgung der Mühlen betreffen: hinsichtlich Quantität und Qualität. Vor allem zwei Entwicklungen bestimmen mit zunehmender Dynamik Diskussion und Geschehen: Klimawandel
und Wertewandel. Beide hinterfragen die Prozessqualität und fordern mehr Nachhaltigkeit bei Produktion und Konsum. Der folgende Beitrag reflektiert die daraus resultierende
„Ökologisierung der Landwirtschaft“ aus Sicht der Pflanzenzüchtung.

Der Artikel ist in der Zeitschrift Getreide, Mehl und Brot 3/2019 erschienen. Die Veröffentlichung auf dieser Internetseite konnte mit freundlicher Genehmigung der Getreide, Mehl und Brot erfolgen.

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Schnell gelesen (Kurzfassung):

Fazit: Was kommt auf die Getreideverarbeitung zu?

  1. Hinsichtlich der Bewertung und Erfassung von Qualitätsweizen dürfte sich zunächst nicht viel ändern. Im Gegenteil: Bei limitierter N-Düngung sind proteinreiche Qualitätssorten jetzt vermarktungsrelevanter als je zuvor. Weiter zunehmende Umweltsensibilität und effiziente Märkte vorausgesetzt, gehört die Zukunft jedoch backtechnisch hochwertigen Sorten mit geringerem Kornstickstoffgehalt und damit hoher N-Nutzungseffizienz. Dafür ist die neue Qualitätseinstufung richtungsweisend.
  2. Was den Klimawandel und die zunehmende Ökologisierung des Pflanzenbaus angeht, ist für die Brotgetreideproduktion insbesondere ein zentraler Zukunftstrend abzusehen: eine größere Vielfalt an Fruchtarten und Sorten, der pflanzenbaulich wichtigsten Versicherungs- und Anpassungsmaßnahme sowohl hinsichtlich Klimawandel als auch hinsichtlich Düngungs- und Pflanzenschutzrestriktionen. Die zunehmende Digitalisierung und damit Individualisierung der Anbauprozesse wird den Trend zu mehr genetischer Diversität unterstützen.
  3. Sowohl der Klimawandel als auch der geringere Düngungs- und Pflanzenschutzaufwand dürften zu größeren Schwankungen des Rohstoffangebots führen. Das betrifft sowohl die Menge als auch die Verarbeitungsqualität der Getreidepartien für einzelne Produktlinien. Größere Schwankungen z. B. hinsichtlich Ernteaufkommen, Proteingehalt, Kornausbildung oder Phytotoxingehalte der Rohware zu managen, gehört zu den Herausforderungen. Aber auch zu den Chancen: Denn regional und integriert erzeugte Rohstoffe in großer Vielfalt bis hin zu Extensivgetreide oder hülsenfruchthaltigen Mehlen bieten auch erweiterte Möglichkeiten der Produktentwicklung, Abgrenzung und Vermarktung.

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